Die Dienstwagen der Politiker stinken gen Himmel
Sie heben den Zeigefinger, verpassen der Autoindustrie einen Rüffel nach dem anderen und verlangen von den Bürgern, mehr auf die Umwelt und das Klima zu achten. Geht es darum, Vorschriften zu machen, scheinen Politiker ganz groß. Wenn man ihnen aber einmal genauer auf die Finger oder wie die Deutsche Umwelthilfe jetzt unter die Motorhauben schaut, sind die Damen und Herren um Ausreden nie verlegen. Denn das, was sie predigen, schadstoffarme Autos zu fahren, gilt für sie anscheinend nicht. Ihre Dienstwagen passen als echte Dreckschleudern überhaupt nicht zur Klimadebatte.
Dr. Eckhard Uhlenberg beispielsweise, seines Zeichens NRW-Landesumweltminister, fährt einen Audi A8 4,2 TDI. 249 Gramm Kohlendioxid je Kilometer bläst dessen Motor in Luft. Brüssel verlangt ab 2012 einen Grenzwert von 130. Der Minister liegt 119 Gramm darüber. Warum dem so ist, erklärt sein Sprecher, Markus Fliege: „Der Minister hofft, dass die großen Fahrzeuge, die ja als Arbeitsplatz genutzt werden, durch den Fortschritt sauberer werden.“ Hoffen sollte er dabei nicht auf Forschungsministerin Annette Schavan. Sie wechselte ihren Dienstwagen. Waren es mit dem Vorgänger „nur“ 247 Gramm, bringt der Neue, der S 450 von Mercedes, es auf stolze 272 Gramm CO2 pro Kilometer.
Der Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, Jürgen Resch, ist über das Ergebnis wenig erfreut. „Nichts dazugelernt“, sagt er lapidar. Das gilt auch für Gesundheitsministerin Ulla Schmidt, die mit einem Mercedes S 500 unterwegs ist. Dessen Ökobilanz ist mit 286 Gramm CO2 besonders schlecht. Wesentlich besser schnitt die Berliner Umweltsenatorin Katrin Lompscher dank ihres Toyota mit Hybridantrieb und weniger als 140 Gramm ab. Zumindest bemüht haben sich Umweltminister Gabriel, Wirtschaftsminister Glos und Arbeitsminister Scholz. Sie haben ihre alten Dienstwagen zugunsten eines umweltfreundlicheren Modells getauscht. Siegmar Gabriel fährt jetzt einen Erdgas Mercedes.
