Fehlt der Blick fürs klare Leasing?

Es sind wohl die seit Jahren überaus günstig inserierten Leasingangebote für Klein- bis Mittelklasse-Wagen, die für akzeptable „Schwellenpreise“ von 79 bis 139 Euro oder auch schon mal für 179 Euro pro Monat angeboten werden. Wenn da nur nicht die Leasing-Sonderzahlung im deutlich Kleingedruckten unter 1, 2, 3 im Wege stünde. Diese nämlich durch die Laufzeit in Monaten dividiert, macht gleich 100 oder mehr Euro pro Monat drauf.

Ist das der Grund, weshalb „die Beratungsqualität des deutschen Autohandels“ beim Thema Finanzierung klare Defizite aufweist? Das jedenfalls berichtet Leasetrend, die vom Online-Marktforschungsinstitut Dialego 500 Privatkunden haben befragen lassen.
Im Ergebnis einer eher „nicht repräsentativen“ Umfrage: Nur 39 von 100 fühlen sich umfassend informiert und 37 von 100 bemängeln, dass sie über ‘Chancen und Risiken’ nicht ausreichend aufgeklärt wurden. Und knapp jeder Dritte glaubt, dass er nicht ausreichend auf alternative Finanzierungen hingewiesen wurde. Für zwölf von jeweils 100 oder eben jeden Achten gilt, dass das Angebot schließlich nicht zur monatlichen Kaufkraft passt.
Wer jedoch ein Auto finanziert oder eben auch least, der sieht sich in 6 von 10 Fällen bei der Finanzierung im Automobilbereich als privater Fahrzeug-Interessent gut aufgehoben – der Handel also doch Nummer 1. Auch wenn sich die Beratungsqualität noch deutlich steigern lässt.

Noch weichen die statistischen Daten aber deutlich voneinander ab. Da heißt es zum einen, dass 70 Prozent alle Fahrzeuge finanziert seien wozu auch das Sach-Leasing gehört, wobei andererseits 70 Prozent der Kunden auf fremde Mittel verzichten würden, um viel lieber bar zu zahlen. Auch bei 15.000 Euro Listenpreis und mehr kaum zu glauben. Für die befragten 500 spielt dann – zur Überraschung – auch Privatleasing kaum eine Rolle. Hier glaubt man, Angst vor hohen Kosten am Ende der Laufzeit haben zu müssen, weil man schließlich am Ende der Laufzeit auch kein Eigentum beim Leasing habe. Klar doch, das ist ja der „Gag“ beim Leasing. Dafür sparte man während der Nutzungsmonate viel Geld im Vergleich zur Voll-Finanzierung in derselben Laufzeit…
Es wundert dann schon, wenn 50 von je 100 der Befragten das Kreditangebote als finanziell vorteilhafter ansehen als das Leasing. Da reizt schon eher die Drei-Wege-Finanzierung (14 Prozent) oder der klassische Kredit bei der Bank (13 Prozent). Wer schließlich finanziere, der schätzt mit weiteren 46 von 100 Personen die Autobank als geeigneten Finanzierungspartner.

Wer dann aber einmal geleast hat und auf drei Jahre – selbst mit Winterrädern und Kundendienst-Flatrate – ein Privatleasinggeschäft gemacht hat, der ist mit 79 anderen von 100 auch „Wiederholungstäter“. Denn die Kundenzufriedenheit ist beim Leasing höher als bei den anderen Finanzierungsarten, auch wenn in Zukunft die Beratungsqualität zu verbessern sein wird.
Auch wenn man erklären wird müssen, dass dem Kunden die monatliche Belastung passt, wenn er nur besitzt statt dass er Eigentum am Auto erwirbt. Das aber hat derjenige, der klassisch finanziert, auch nicht, denn auch sein Fahrzeugbrief bleibt in der Regel erstmal bei der Bank…

Comments

  1. LarsL says:

    Also dieser Beitrag war für mich wirklich sehr interessant.
    Ich bin schon seit einiger Zeit am überlegen, ob ich mir ein Fahrzeug
    leasen sollte, habe aber kaum Informationen über das Thema im Internet
    gefunden.
    Auch sehr interessant ist der Aspekt der Kundenzufriedenheit.

    Danke für den Beitrag
    und viele Grüße
    LL

  2. “Das aber hat derjenige, der klassisch finanziert, auch nicht,
    denn auch sein Fahrzeugbrief bleibt in der Regel erstmal bei der Bank…”

    … das ist richtig. Allerdings hat er sein Eigentum nur sicherungshalber für die Finanzierungsdauer abgetreten, während er beim Leasing von Beginn an kein Eigentumsrecht hat.
    Mit der Konsequenz, als Leasingnehmer zum Vertragsablauf dem Geschäftsgebaren des Leasinggebers auf Gedeih und Verderb ausgeliefert zu sein.
    Genau das ist ja auch der Knackpunkt, der das Leasing – vor allem für Privatpersonen – bei falscher Konzeption zum Risiko macht.
    Vor allem dann, wenn durch die Händlerbanken zu hohe Restwerte kalkuliert werden,
    um die Raten kleiner zu machen. Getreu der Devise “Was schert’s mich, wenn der Kunde in drei Jahren ein Problem hat – dann hab ich ihn eh im Sack. Und für heute hab ich erst mal 1 Auto mehr verkauft…”

    • wob. says:

      …Leasing auf Gedeih und Verderb…Aber wirklich nicht.

      Der “author” ist seit 20 Jahren ganz privat Leasingnehmer und
      hat diese noch nicht einmal bereut. Was soll da passieren,
      wenn man 15 000 km jährlich vereinbart, dann geht eben der Restwert nach drei Jahren
      gegen 50 Prozent…Das muss man sich eben erklären lassen…
      Und so sind es eben die Kaufleute fürs Auto, die sich reell verhalten müssen…
      Also: Augen auf beim Autokauf, sprich beim Leasing

  3. …Augen auf beim Autokauf, sprich beim Leasing…

    Genau so lautet die Devise, da gebe ich Ihnen völlig Recht.
    Auch in den anderen Punkten.
    Der Umstand, dass Sie zufriedener Leasingnehmer sind,
    liegt sicher daran, dass Sie sich mit dem Thema auseinandergesetzt
    haben und demnach wussten, worauf Sie sich einließen.
    Haben Sie in dem Zeitraum auch einmal die Marke gewechselt
    und einen Wagen mit zu knapper Restwertkalkulation beim
    Händler stehen lassen um dann ein anderes Fabrikat zu kaufen?
    Scheinbar noch nicht. Und wenn ja – dann haben Sie in den
    vergangenen 20 Jahren mächtig Glück gehabt…
    Nur leider ist das nicht immer so. Gerade bei Privatpersonen,
    die nur wenig Ahnung haben, erlebe ich immer wieder die negativen
    Wirkungen aus unzureichender Information.
    Der “kleine” Preis mit niedrigen Raten soll zum Kauf animieren –
    aber irgendwann muss der Preis nun mal bezahlt werden.

    • wob. says:

      …doch, ich habe gewechselt, und zwar von FORD zu RENAULT…
      Der Renault-Händler hat den FOCUS einfach rausgekauft…
      Und auch hierbei gab es keine Probleme…inzwischen fahre ich den zweiten MODUS
      nach einem Scenic…und mit Velofix für zwei Räder…Suuuuper!

  4. Spoiler says:

    Dass Leasinggeber nur unzureichend über Risiken aufklären,
    können wir nur bestätigen.
    Während sich Verbraucherschützer um jede Kleinigkeit kümmern
    und reihenweise Händler wegen Belanglosigkeiten kostenpflichtig abmahnen,
    ist man bei den Verbraucherschützern bezüglich fehlender Preistransparenz
    bei Leasingangeboten wohl auf mindestens einem Auge blind…
    Offenbat handelt es sich bei den selbsternannten “Verbraucherschützern”
    auch nur um Lobby-Vertreter unter dem Deckmantel der Gemeinnützigkeit…
    Schön, dass das hier wenigstens objektiv aufgeklärt wird!

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