Autofahrer mögen keine Assistenzsysteme

Das niedersächsische Innovationsmagazin “plietsch” beschäftigt sich in seiner neuesten Ausgabe mit dem Thema Assistenzsysteme. Nur wenige Neuwagenkäufer kaufen die angebotenen Assistenzsystempakete dazu, die es inzwischen auch für Kleinwagen gibt. Warum ist das so, obwohl diese elektronischen Hilfsmittel die Folgen von Unfällen mit Sicherheit abmildern können?

Im plietsch-Beitrag wird ein Professor Lemmer wie folgt zitiert: “ESP ist die günstigste Lebensversicherung”. Mit diesem elektronischen Stabilitätsprogramm bremst das Fahrzeug kontrolliert ab – und verhindert so, dass das Auto ins Schleudern gerät. Das hilft natürlich dabei, Autounfälle zu verhindern.
Assistenzsysteme aller Art bringen also nachweislich Gewinne für Komfort und Sicherheit – werden aber kaum nachgefragt. Nur 25% aller Fahrzeuge hat ESP und nur 3% aller neuen VW Passat Variant werden mit dem sicherheitsrelevanten Spurhalteassistent ausgestattet. Ähnliche Erfahrungen hat man auch mit Abstandsregler, Verkehrszeichenbeobachter, Tot-Winkel-Assistenten uvm. gemacht. Und das, obwohl die Unfalldatenbank der Versicherer davon ausgeht, dass Fahrer-Assistenz-Systeme die Zahl der Toten um 2%, die Zahl der Schwerverletzten um 8% und die Zahl der Leichtverletzten um 31% senken könnte.

Prof. Lemmer hat sich natürlich mit Akzeptanz von Assistenten beschäftigt. Er weist darauf hin, dass man dem Autofahrer nicht alles abnehmen sollte – er soll ja weiter wach und aktiv bleiben. Wer beim Autofahren nichts mehr selbst machen muss, ist weniger aufmerksam. Bei Assistenten wie dem Einparkassistenten muss der Fahrer Gas geben und bremsen. Das Lenken übernimmt der Assistent.
Aber auch psychologische Gründe sprechen für die mangelnde Akzeptanz. Laut Statistik fährt jeder Autofahrer im Durchschnitt 300.000 Kilometer, bevor ein Unfall passiert. Statistisch gesehen fahren die deutschen Autofahrer also gut. Und stressig scheint das Autofahren für die meisten Menschen nicht zu sein. Man braucht in dieser Frage also nicht mehr Komfort. Stressig könnten allerdings zu viele visuelle und akustische Signale sein, die von Assistenzsystemen ausgehen.

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