Man musste in den 60ern und 70ern nicht als Studiosus unterwegs gewesen sei, um zu wissen, was man denn unter einem “Dö-Schwöh” versteht. Der 2 CV, die Ente von Citroen, war Kult – nein, mehr als Kult, sie war Lebensgefühl einer ganzen oder sogar zweier Generationen.
Wenn jetzt behauptet wird, man könne mit einem Auto über Jahrzehnte Geld verdienen, dann wohl nur, wenn es sich wirklich um hochwertigere Klassiker handelt: Oldsmobils, die bis heute den Charme des Vergangenen ausstrahlen, die ein Lebensgefühl von gestern auf die Straßen von heute bringen und allseits als begehrt gelten – zum Beispiel auch ein Käfer-Cabrio.
Oldtimer sind längst zum Gegenstand einer betriebswirtschaftlich orientierten Branche geworden; zum rechnerisch günstigen und positiven Wirtschaftsfaktor, der mit historischen Automobilen zu Umsätzen in Milliarden führt. Deutsche Autobauer setzen dabei ganz auf die Pflege des Images, das mit alten Autos mehr bietet als banale Autowerbung. Die Zahl der auch nur zeitweise zugelassenen und gefahrenen Oldsmobils steigt und soll sich selbst als Geldanlage noch lohnen, wie man von der Commerzbank hören konnte. Vorausgesetzt, das Vehikel hat das Zeug zum Klassiker.
Parallel zu den Fahrzeugen blüht auch das Geschäft mit Ersatzteilen für die Oldie-Szene. Eine Tatsache, die bei der Autoindustrie dazu führt, sich auch in Imagepflege zu versuchen, wie die neueste Daimler-TV-Werbung mit Schumacher und Beckenbauer zeigt.
Die Erklärung fand man auch bei BMW: Eine Premium-Marke lebe von der Bewunderung derjenigen, die sich die Produkte nicht leisten können. Diese zusätzliche Prägung der Marke ist gleichzeitig Gewinn übers Firmen-Logo, auch wenn man wohl den Umsatz mit den alten Autos im Vergleich zum “sonstigen Geschäft” als marginal bezeichnen muss. Auch wenn man die separate Marketingwirkung gar nicht bewerten kann.
Variationen am Markt
Auch wenn der Oldie-Markt als Fakt gilt, ist die Bewertung seiner Größe strittig. Auf 4,6 Milliarden in 2006 schätzte man bei Oldtimer-Weltorganisation “Fédération Internationale des Véhicules Anciens” (FIVA) den damaligen Umsatz, in Europa seien es gar es 19,2 Milliarden Euro gewesen. Da ist allerdings Spekulation und Schätzung im Spiel und die berühmt-berüchtigte Dunkelziffer. Die aktualisierte Neu-Fassung der Studie des Clubs klassischer Fahrzeuge (DEUVET) errechnete (und schätzte) 5,5 Milliarden Euro in Deutschland plus 500 Millionen derjenigen, die für ihre Leidenschaft mehrtägig übernachten und Reisekosten verursachen über 6 Milliarden Euro sein.
Tausendsechshundert Millionen
Gefragt sind in erster Linie alte Sport- und Luxusautos, wie Fachhändler melden. Gepaart mit einer stetigen Nachfrage können sich also die Preise weiter nach oben bewegen, auch wenn im ersten Halbjahr 2010 die Preise leicht knickten. Die Überraschung am Rande: Den höchsten Wertzuwachs auf dem Spitzenplatz hat nicht etwa der Flügeltürer von Mercedes, der 300 SL, sondern der Citroën 2 CV – die Ente.
Halter und Fahrer von Oldtimern geben jährlich geschätzte 1,6 Milliarden Euro für Reparaturen an den alten Vehikeln aus. Auch eine Aufgabe für 1.500 und bis 2.000 Werkstätten mit durchschnittlich acht Mitarbeitern. Damit machen die alten Autos auch Umsätze bei den Zulieferern aus, wozu vor allem Bosch gehört, was bei denen als ältester Ausrüster im Autogeschäft wichtig ist für den Markenwert. Und so sind inzwischen auch die Autos der 1970er zu Oldtimer aufgerückt, mit dabei der Mercedes SL. Ist die Baureihe auch bereits vor 15 Jahren ausgelaufen, geht die Verantwortung für Ersatzteile an die Daimler-Klassiksparte, die dann auch nachproduziert, solange sie gefragt sind.
H wie Historisch!
Auch wenn viele Oldtimer eher stehen als fahren, wird der Teilebedarf dann aber doch wachsen, weil die Zahl der Oldtimer insgesamt steigt. Fahrzeuge, die älter als 30 Jahre sind und das H-Kennzeichen für historische Autos tragen dürfen. Knapp 210.000 Autos mit H-Kennzeichen waren im Jahre 2010 nach VDA-Angaben auf Deutschlands Straßen unterwegs – ein Zuwachs von 158 Prozent seit 2000. Hat die Abwrackprämie die natürliche Auslese beschleunigt, wenn auch keinen Einbruch gebracht, ist der Triumphzug der Oldtimer nicht aufzuhalten.
Da bleibt rein rechnerisch festzuhalten: Oldies werden zahlreicher, auch wenn der Bestand der Autos im Alter bis 15 Jahre nach der Neuzulassung bis Anfang 2010 auf 4,6 Millionen (Anfang 2009: 5,8 Mio) gesunken ist.
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