Haus, Auto, Küche, Fahrrad, Fernseher, Margarine…so könnte man die Wertigkeit der Dinge benennen, von denen nun mal nicht alle wöchentlich und auch nicht jährlich gekauft werden. Die Margarine macht’s. Deshalb ist es doch wohl keine Überraschung, wenn im ersten Halbjahr 2010 die Pkw-Zulassungen auf den niedrigsten Wert seit der Wiedervereinigung gefallen sind. Eine Tatsache, die auch noch als Minus bei den Kleinwagen ganz besonders angegeben werden kann. Da klingt gut, wenn nicht nur die deutschen Margarine-Hersteller, sondern eben die deutschen Automobil-Hersteller ihre Umsatzziele erreichen, wenn auch eher im Ausland.
Und so sind sie wieder da, die Hersteller des Premium-Segments: Daimler, BMW und Audi. Bei ihnen wurde die „unerwartet rasche Erholung zur normalen bis stets stabilen Nachfrage“ am schnellsten zur Tatsache, wenn auch der nationale Markt weiter schwach bleibt. Weshalb? Weil die Kaufkraft sinkt, auch wenn man dem Verbraucher laufend vorrechnet, man habe wenig Inflation zu spüren. Bei der Schokolade vielleicht und auch beim Kaffee oder Schaumwein, aber Autos sind eben teuer. Und ob sich einer einen ‘nen BMW leasen kann, hängt schließlich auch vom Geldbeutel ab.
Umsatz ist Menge x Preis
Zu rechnerisch jeweils 100 Fahrzeugen des Vorjahresmonats Juni 2009 verkaufte BMW 12,2 Stück mehr im Juni 2010 und damit weltweit 143.000 Autos der Marken BMW, Mini und Rolls-Royce mehr als im Vorjahresmonat. Macht für zwei Quartale ein Absatzplus von 13,1 Prozent auf 696.026 Fahrzeuge.
Bei Audi lag der Absatz im Juni um neun von bisher 100 Fahrzeugen zum Vorjahresmonat höher und das waren 99.250 Fahrzeuge zu. Von Januar bis Juni waren es sogar 19 Prozent oder 554.950 Stück.
Wenn auch die Absätze der Premium-Hersteller steigen, tun sie es vor allem im Ausland. Sind doch gleichzeitig die Pkw-Zulassungen auf den Wert des „schwächsten Halbjahres“ seit der Deutschen Einheit eingebrochen. Mit nur 1,47 Mio Neuanmeldungen liegt die Zahl noch unter den 1,58 Mio von 2007, dem bislang niedrigsten Halbjahreswert gesamtdeutscher Zulassungen. Im Abwrackprämien-Boomjahr 2009 waren es 2,06 Mio und im Krisenjahr 2008 nur 1,63 Millionen.
Minus bei den Kleinen
Noch vor einem Jahr hatten die Klein- und Kompaktwagen deutscher Hersteller bei den national Zulassungen wegen der Abwrackprämie zwar deutlich dominiert, doch jetzt normalisiert sich deren Marktanteil wieder.
Aktuell liegt er bei 50 Prozent (2009: 62 Prozent), während die Mittelklasse mit Marktanteilen gewinnt. Gestiegen sind in diesem Zusammenhang die gewerblichen Neuzulassungen und der Anteil privater Neuwagenkäufer wegen der nicht mehr gegebenen Umweltprämie sank von 63 Prozent auf jetzt 44 Prozent.
Golf contra Astra
Alles in allem fiel die Nachfrage nach Minis und Kleinwagen im ersten Halbjahr um knapp die Hälfte (47 Prozent) im Vergleich zum „Boomjahr 2009“. Und auch die Kompaktklasse, traditionell absatzstärkstes Segment, musste sich mit 411.229 neuen Pkws und 26,8 Prozent weniger Zulassungen als vor Jahresfrist zufrieden geben.
Das änderte auch der Deutschen Liebling, der VW Golf, nicht: Mit 136.928 Neuanmeldungen machte er ein Drittel aller Verkäufe in seinem Segment aus. Der Erzrivale Opel Astra lag dagegen um 100.000 Zulassungen abgeschlagen dahinter. Und doch verlor auch der Golf nach dem aktuellen Juni-Einbruch von 50 Prozent in der Sechs-Monats-Bilanz 21 Prozent an Neuzulassungen. Und auch alle anderen Modelle in den Top 10 gaben zweistellig in der Halbjahresbilanz nach.
Hier die Top 10 der neu Zugelassenen im 1. Halbjahr 2010 mit +/- zum Vorjahr in %:
VW Golf 136.928 (-21,0); VW Polo 51.008 (-22,7); Opel Astra 36.898 (-33,2);VW Passat 36.206 (-23,5); BMW 3er 35.333 (-10,2); Opel Corsa (-42,8); Audi A3; Mercedes C-Klasse; Audi A4 und BMW 1er (-24 %).

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