Es sind oft eigene Beobachtungen der tatsächlich oder vermeintlich Jüngeren, wenn Senioren sich trauen, frühmorgens in die Fußgängerzone einzufahren, um sich beim Doktor ein Rezept und in der Apotheke daneben die Arznei zu holen. Kurze Wege zum Bäcker und Metzger inklusive. Geparkt wird, wo es grad recht ist, wenn auch verboten, und auf der Rückfahrt werden auch noch zwei Radfahrer gefährdet und zweimal bei Voll-Gelb die Kreuzung überquert:Ja, wenn man(n) schon mal in Fahrt ist…
Meist sind es Unfälle mit erheblichem Personenschaden oder gar mit Todesfällen, wegen denen regelmäßig eine neuerliche Diskussion über Senioren am Steuer losgetreten wird. Oft gibt die “Stammtisch-Hoheit” den Behörden eine Mitschuld, weil diese eben die Tauglichkeit von älteren Menschen am Steuer nicht überprüft.
Nun sind die Gefahren nicht nur durch ‘alte Menschen am Steuer’ gegeben, auch wenn Experten mit Fahrsimulatoren häufig genug feststellen, welche Schwierigkeiten betagtere Fahrer beim Reagieren im Fahrzeug haben. Zweifelsfrei ist jedoch festzustellen, dass die Bio-Mechanik, sprich die Beweglichkeit im Auto und das Sichtfeld im Alter, sich vermindern.
Die Unfalldaten für 2009 machen jedoch auch deutlich, dass es nicht die Senioren sind, die als signifikante Gruppe Unfälle verursachen. Viel eher sind sie Opfer im zunehmend gefährlicheren Straßenverkehr. Für Senioren gilt dies im Fuß- und Radverkehr, für Seniorinnen verstärkt, wenn sie selbst das Fahrzeug führen oder mitfahren.
Senioren eher Opfer
Vergleich man absolute Zahlen, dann kamen im vergangenen Jahr 1.104 Senioren im Straßenverkehr ums Leben. Ihr Anteil im Vergleich aller Altersklassen stieg damit von 24 Prozent in 2008 auf knapp 27 Prozent in 2009. Das nun liegt auch am demografischen Hintergrund. Denn von 100 Bundesbürgern sind bereits 20 Personen 65 Jahre und älter. In den Medien wird in der Folge öfters die kritische Frage gestellt, ob es weiterhin richtig sein kann, dass die Politik darauf setze, dass sich Autofahrer freiwillig Tests stellen, bei denen Augenarzt oder Fahrtrainer die Fahrtüchtigkeit bestimmen könnten.
Verkehrsexperten sind gleichermaßen der Meinung, dass es in der deutschen Politik daran fehle, wie in anderen europäischen Länder ab einem bestimmten Alter Gesundheitschecks zu veranlassen.
Opa fährt noch!
Frühere Studien brachten als Ergebnis, dass Senioren viel eher selbst im Straßenverkehr gefährdet sind, als dass sie andere gefährden. Deshalb würde wohl auch eine restriktive Haltung bei Zwangstests zur Fahrerlaubnis für Ältere kaum herbeiführen, dass sich die Verkehrssicherheit verbessere. Viel eher muss es gesellschaftlicher Anspruch sein, dass man auch im Alter frei entscheiden kann, mit Auto, Rad, zu Fuß oder per öffentlichem Nahverkehr mobil sein zu können und es auch zu wollen. Wenn gleichzeitig defensives Verhalten und Rücksicht bei allen Verkehrsteilnehmen auftreten und sich stabilisieren, wäre bereits viel gewonnen, so der Tenor.
Langfristig ist den älteren Verkehrsteilnehmen angeraten, sich freiwillige ärztlich untersuchen und sich auch bezüglich der physischen Mobilität beraten zu lassen. Wenn dann noch technische Finessen wie Fahrerassistenzsysteme weiterentwickelt werden, wird wohl irgendwann die älteste noch gültige Fahrerlaubnis auch einem 100-Jährigen gehören können.
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