Kfz-Halter als sensible Verbraucher

Kfz-Schiedsstelle hatte 2009 gut zu tun!

Zufriedene Mienen danken es Ihnen!, so ein Werbeslogan der Fa. Dr. Oetker aus 1957. – Doch dem ist im Kfz-Werkstatt- und Gebrauchtwagenbereich nicht immer so. Zu hohe Rechnungen, unsachgemäße Arbeit, Leistung und Abrechnung ohne Auftrag, technische Mängel, Unfallschaden oder eine falsche Gesamtlaufleistung – die Zahl der Anfragen an Kfz-Schiedsstellen hat 2009 gegenüber dem Vorjahr zugelegt. So waren es 13.500 Anträge von Werkstattkunden und Gebrauchtwagenkäufern, die zur Schlichtung vor einer Kfz-Schiedsstelle landeten und vielfach im Vorverfahren geregelt wurden.

Damit ist die Zahl der Anträge um 15,4 Prozent bzw. 1.800 Fälle gestiegen, was der Verband darin begründet sieht, dass sich die Sensibilität der Verbraucher erhöht hat. Auf der anderen Seite zeigt sich damit, wie wichtig das populäre Kfz-Meisterschild als Markenzeichen für praktizierten Verbraucherschutz ist. Denn nur Mitgliedsbetriebe der Kfz-Innungen unterwarfen sich dem Schiedsverfahren.

Schlichtung vorab!

Geht ein Antrag bei einer der Schiedsstellen ein, wird er meist schon gelöst, bevor er vor der Kommission landet. So wurden 88 von 100 Fällen oder 11.870 insgesamt im Vorverfahren geregelt. Tatsächlich vor eine der bundesweit 130 Schiedskommissionen kamen 1.660 Verfahren. Von denen wurden mehr als die Hälfte mit einem Vergleich beendet und in jeweils 13 von 100 Fällen entschied die Kommission für den Antragsteller. Bei jeweils 20 von 100 Fällen ging das Verfahren zugunsten der Werkstatt oder des Gebrauchtwagenhändlers aus.

Kein Grund zur Veranlassung…*)

Ist auch die Zahl der Schlichtungsanträge gestiegen, ist diese Steigerung gering, wenn man dagegen die jährlich 67,8 Millionen Reparatur- und Wartungsaufträgen betrachtet und die mehr als 3,6 Millionen Gebrauchtwagenverkäufe. Bei denen nun kam es im Jahre 2009 nur bei jeweils 2 von 10.000 zu Beanstandungen, die zu einem Anruf der Schiedsstellen führten. Dabei war meist die Rechnungen Anlass zur Unzufriedenheit.
So wurde bei 4.278 Serviceaufträgen die Höhe der Rechnung beanstandet, wobei es im Vorjahr nur 2.903 Klagen waren. Als “unsachgemäß” galt die Arbeit in 3.636 Fällen und 2.871 Mal monierten die Kraftfahrer, dass Arbeiten durchgeführt worden waren, die man nicht in Auftrag gegeben hatte.
Für die Gebrauchtwagen-Schiedsstellen lagen die Mängel vor allem in der Technik (1.576), bei nicht benanntem Unfallschaden (416) und falsche Gesamtlaufleistung (117).

Das Deutsche Kraftfahrzeuggewerbe leistet mit den bundesweit rund 130 Kfz-Schiedsstellen gute Arbeit, um außergerichtlich Streitigkeiten zwischen Autofahrern und Kfz-Betrieben beizulegen. Vor vierzig Jahren in Hamburg und in München erstmals eingerichtet, haben die Verfahren vor der Kfz-Schiedsstelle eine außerordentlich hohe “Befriedungsfunktion”, womit man in erheblichem Umfang auch die Justiz entlaste. Die einfache Devise: Vertragen statt klagen!

*) ehemaliger Programmtitel des Kabarettisten Rolf Miller

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