Die Trendwende auf dem Kfz-Versicherungsmarkt hat sich schon längere Zeit angedeutet. Die „Welt“ spricht von einem Waffenstillstand und betreibt Ursachenforschung, warum der Preiskampf sich dem Ende neigt und für Neuverträge deutlich tiefer in die Tasche gegriffen werden muss.
Bis zu 16 Prozent mehr müssen Autofahrer bei einigen Versicherungsunternehmen berappen, wenn sie jetzt eine neue Police benötigen. Ob es sich tatsächlich um ein „Spiel“ handelt, bei dem die Prämien im Herbst zur eigentlichen Wechselsaison wieder in den Keller sacken, um die Vergleichsportale zu beeindrucken und die Kunden zum Abschluss zu motivieren, ist eher unwahrscheinlich. Vielmehr sieht es danach aus, als würde der sechs Jahre andauernde Kampf der Giganten sich vom „Ramschniveau“ wegbewegen. Jede dritte Kfz-Versicherung hat bereits angezogen. Die Unternehmensberatung Nafi sagt: „Wir rechnen mit weiteren Erhöhungen.“
Im Schnitt ergibt sich bei der Kfz-Haftpflichtversicherung eine Teuerung von 6,4 Prozent, bei der Vollkasko sind es 5,8 und bei der Teilkasko 6,1 Prozent, so Ivana Höltring von Nafi. Gegen diese Entwicklung stemmen sich nur wenige Unternehmen. Dazu gehört auch der Direktversicherer der Allianz. Allsecur hat die Beiträge sogar gesenkt. Andere versuchen, die Preise stabil zu halten. So die beiden Kontrahenten HUK-Coburg, die diesen Schritt bereits zu Jahresbeginn angekündigt hatte, und die Allianz. Sie halten sich mit höheren Preisen (noch) zurück. „Es herrscht weiter Verdrängungswettbewerb und Verdrängungswettbewerb geht auch über den Preis“, betont Alois Schnitzer von der HUK-Coburg.
Dass die Preise nicht weiter fallen, hat aus Expertensicht einen ganz einfachen Grund: „Einigen Unternehmen geht die Luft aus“, so die „Welt“ und beruft sich dabei auf die Schadenreservequote, die aussagt, inwieweit die Unternehmen in der Lage sind, auch zukünftige Schadensfälle abzuwickeln. Grundsätzlich gilt: Mathematisch betrachtet sind die Beiträge für die Kfz-Versicherung schon seit Jahren zu niedrig und seit 1985 um knapp zwölf Prozent gesunken. „Ruinös“ ist einer der Begriffe, der die Entwicklung umschreibt. Dass die Preise jetzt anziehen, ist für die Kunden ein Grund mehr, die Tarife genauer zu vergleichen und das Sparpotenzial zu nutzen.
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