Überall sind immer mehr Fahrradfahrer unterwegs. Aber auch in einer Stadt wie Berlin, die sich gerne als “Hauptstadt der Fahrradfahrer” bezeichnet, hält das Platzangebot für den Fahrradverkehr mit dem tatsächlichen Platzbedarf nicht stand. Die Folge: Auf Fahrradwegen entsteht ein großes Gedränge und Rüpelhaftigkeit. Wir brauchen eine neue Etikette im Fahrradverkehr.
Seit Jahrzehnten fahre ich Fahrrad in Berlin. Da ich neulich über einen Poller stürzte, fahre ich nun noch defensiver als vorher. Bei dieser Fahrweise fiel mir auf, dass auch dieses Fahrverhalten keine Garantie für eine sichere Verkehrsteilnahme ist. Denn während die Autofahrer sich schon sehr stark auf den chaotischen Fahrradverkehr eingestellt haben, zeigen sich die Fahrradfahrer relativ überrascht über eine passive und ordnungsgemäße Fahrweise.
Konkret fahre ich langsam, halte Sicherheitsabstand und fahre erst bei Ampelgrün. Was heißt das beim Fahrradfahren? Langsamfahrt führt natürlich dazu, dass ich ständig überholt werde. Das ist kein Problem, wenn der Fahrradweg genügend Platz zum Überholen bietet. Das Problem hierbei ist, dass es vielen anderen Fahrradfahrern völlig egal ist, wie breit nun der Fahrradweg ist. Es wird auf Deibel komm raus überholt – und der Überholer wird auch noch von schnelleren Fahrrädern überholt.
Richtig gefährlich wird’s, wenn man an einer rotwerdenden Ampel anhält. Damit rechnet so gut wie kein Fahrradfahrer mehr. Notbremsungen bringen da erhebliche Gefahren mit sich. Das Hauptproblem sind allerdings Fahrradfahrer, die das Gesetz des Stärkeren und Schnellern unbedingt auch im Fahrradverkehr durchsetzen müssen – gegenüber anderen Fahrradfahrern, Fußgängern und Autofahrern. Unterstützt werden Sie dabei von Fahrrad-Modellen, die unglaubliche Geschwindigkeiten ermöglichen.
Noch gefährlicher sind diese Fahrrad-Aggros, wenn Sie mit Fahrrädern ohne Bremsen unterwegs sind. Ein Trend, der hier immer öfter zu beobachten ist: Ohne Bremsen, ohne Helm, ohne Zähne, ohne Hirn! Angesichts der weiteren Zunahme des Fahrradverkehrs und gleichzeitig knapper Kassen, die einen weiteren Ausbau des Fahrradwegenetzes verhindern werden, brauchen wir also eine neue Fahrrad-Fahrer-Etikette, die durch solidarisches Fahrradfahren gekennzeichnet ist.
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