Motorrad: ABS ist immer noch Mangelware

Eigentlich sollte man annehmen, dass mittlerweile eine sehr große Anzahl an Motorrädern mit ABS ausgestattet ist. Schließlich ist das Bremssicherheitssystem, das ursprünglich aus dem Automobilbereich stammt, bereits seit längerer Zeit für Motorräder erhältlich. Allerdings sieht es in der Praxis ganz anders aus – nur relativ wenige Motorräder verfügen über ABS.

Wie aus einer kürzlich vom ADAC durchgeführten Untersuchung hervorgeht, sind gerade einmal 1 Prozent aller Motorräder, die über einen Hubraum von bis zu 250 Kubikzentimeter verfügen, mit ABS ausgestattet. Dieser erschreckend niedrige Anteil ist vor allem auf die Preispolitik der Motorradhersteller zurückzuführen: Die ABS-Technologie kostet die Hersteller sehr viel Geld. Der Preis einer Maschine kann allein wegen der ABS-Technologie um 500 Euro ansteigen. Dies mag nicht unbedingt eindrucksvoll klingen, doch im Hinblick auf die Neupreise der Maschinen, die teilweise schon bei 7.000 Euro beginnen, macht das einen verhältnismäßig großen Aufschlag aus.

Dabei könnte das ABS dazu beitragen, die Anzahl der Todesfälle signifikant zu reduzieren. Aus derselben Studie des ADAC geht hervor, dass jährlich 160 Motorradunfälle mit Todesfolge vermieden werden können, wären die Motorräder mit ABS ausgestattet. Wenn man bedenkt, dass sich im Jahr 2009 genau 645 entsprechender Todesfälle ereignet haben, würde dies einer Verringerung von 17 Prozent entsprechen.

Der Nutzen, den das ABS am Motorrad bietet, ist sehr hoch. Die Lenkfähigkeit bei Vollbremsungen kann deutlich optimiert werden, wodurch sich Motorradfahrer in Gefahrensituationen in der Lage befinden, ihre Bikes besser zu kontrollieren und ggf. anderen Objekten auszuweichen. Daher bleibt nur zu hoffen, dass die Motorradhersteller bewusst zur Erhöhung des Anteils von Motorrädern, die über ABS verfügen, beitragen.

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