Berlin bald autofrei?

Wenn es darum geht, Berlin immer unattraktiver für Autofahrer zu machen, ist die deutsche Haupstadt absolut auf der Überholspur. Jetzt präsentiert der Berliner Senat seine neue Fußverkehrsstragie: Blinkende Signale, Ampel-Countdowns und Sofortgrün-Tasten soll die Fußgängerfreundlichkeit erhöhen.

Wie ein akueller Mobilitätssteckbrief ergab, werden durchschnittlich 29,8% aller Wege innerhalb Berlins per pedes absolviert. Damit liegen Fußgängerwege hinter Autowegen mit 30,9% auf dem zweiten Platz. Der Berliner Senat, der ja schon sehr viel dafür tut, dass Berlin noch autounfreundlicher wird als es sowieso schon ist, hat sich nun auf die Fahnen geschrieben, Berlin noch fußgängerfreundlicher zu machen.

Interessanterweise wird der Verkehr jetzt als Markt gesehen. Der Anteil, den Fuß-, Nah-, Fahrrad- oder Autoverkehr daran haben, wird als Marktanteil bezeichnet. Grundsätzlich ist der Marktanteil des Fußverkehrs in den Innenbezirken am Größten. In Mitte werden 35% aller Wege zu Fuß bewältigt. Das Auto erreicht hier einen Wert von 22%. Der ÖPNV bekommt 29% und das Fahrrad 14%. In Steglitz-Zehlendorf ist der Fußgängerwert am niedrigsten im Berliner Vergleich: 24% aller Wege werden zu Fuß bewältigt. Den höchsten Autoanteil haben Reinickendorf und Spandau.

Was genau steht an? Fußgänger haben also einen hohen Marktanteil, fühlen sich aber oftmals marginalisiert – also ausgegrenzt. Auch faktisch werden Fußgänger öfter Opfer von Verkehrsunfällen. In diesem Jahr gibt es in Berlin 6 Verkehrs-Tote zu beklagen. Alle sechs Verkehrstoten waren Fußgänger. Mit der Fußverkerkehrsstrategie soll der Fußverkehr sicherer gemacht werden. Zudem sollen noch mehr Menschen vom Fußverkehr überzeugt werden.

Die wichtigsten Maßnahmen werden ab 2011 an den Ampeln vorgenommen. Zunächst denkt man dabei an andere Schaltungen. Die Warte- und Überquerungszeiten sind nämlich im Verhältnis viel zu hoch. Die Grüne Welle, die bislang oftmals nur für Autofahrer gilt, soll nun auch auf die Fußgänger übertragen werden. Das Ende einer Überquerungsphase wird vielerorts wohl demnächst mit blinkenden Ampellichtern angezeigt. Zudem sollen Restzeitampeln in Betrieb genommen werden. Auch in der Überlegung sind Dauer- und Sofortgrün-Regelungen.

Comments

  1. Jack Russel says:

    Was könnte Berlin besseres passieren als das endlich weniger Autos auf den Straßen fahren? Obwohl die Mehrheit der Menschen zu Fuß, mit dem Rad und dem ÖPNV mobil ist, ist 80% des Platzes auf den Straßen für den Autoverkehr reserviert – ein Missverhältnis das endlich aufgelöst werden muss, zum Beispiel mit Shared-space oder Fußgängerzonen. Denn dort wo weniger Autos fahren, steigt die Lebensqualität der Einwohner enorm. Autos erzeugen Stress durch Lärm, krebserregende Abgase, Feinstaub, Co2 und gefährden alle nicht-motorisierten Verkehrsteilnehmer. Der Flächenverbrauch von Autos ist enorm. 23 Stunden am Tag steht ein durchschnittlicher PKW auf der Straße rum und verbraucht wertvolle öffentliche Fläche die den Menschen in der Stadt zum gehen, spielen und leben fehlt. Stellt euch mal vor, unsere Straßen wären nicht vollgeparkt mit Autos. Wir hätten wieder Platz auf der Straße! Die Kinder könnten wieder spielen ohne Angst um ihr Leben haben zu müssen und die Menschen würden wieder mehr sozialisieren.

  2. Thorsten says:

    Hallo Jack Russel,

    danke für Deinen Kommentar. Klingt ja zu schön um wahr zu sein. Die schöne gute alte Zeit wirds wohl kaum wieder geben – oder? Und wer mit Kind in der Stadt unterwegs ist, ist vielen Gefahren ausgesetzt. Dazu gehören Autos – aber auch extrem wahnsinnige Fahrradfahrer.

    MfG
    Thorsten

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