EU will Senioren an den Lappen

Heute ist es eine Karte, früher war es im wahrsten Sinne des Wortes ein Lappen: der Führerschein. Um ihn geht es in einer neuen Richtlinie der Europäischen Union. Demnach sollen sich die Mitgliedsstaaten Gedanken darüber machen, ob es nicht sinnvoll wäre, regelmäßig die Fahrtauglichkeit von Autofahrern über 50 Jahren zu überprüfen. Damit fassen die Bürokraten aus Brüssel wieder einmal ein heißes Eisen an. In Deutschland, wo jeder vierte Autobesitzer die 60 bereits überschritten hat, findet der Vorschlag unter den Verbänden und Clubs kaum Gegenliebe – jedenfalls nicht in der Form wie von der EU gewünscht.

Zwar stieg die Zahl der Unfälle mit Fahrern aus der Generation 50plus im Jahr 2007 um 2,5 Prozent auf 55.000. Doch nach wie vor sind die Fahranfänger im Alter von 18 bis 24 Jahren die am stärksten gefährdete Gruppe. Der Allgemeine Deutsche Automobilclub (ADAC) bricht deshalb eine Lanze für Senioren am Steuer. „Diese Fahrer haben eine lebenslange Fahrpraxis und pflegen einen verantwortungsvollen Umgang mit ihrem Fahrzeug“, so der Verkehrsjurist des ADAC, Markus Schäpe. Sie zeichneten sich durch Ruhe, Besonnenheit und Erfahrung aus. Daher setze die Regierung auch auf die Eigeninitiative. Wer sich nicht mehr in der Lage fühle, ein Fahrzeug zu steuern, könne seinen Führerschein schließlich freiwillig abgeben. 22.000 Menschen machen von dieser Möglichkeit Jahr für Jahr Gebrauch.

Wenig Verständnis für die Führerscheinrichtlinie der EU zeigen auch der Gesamtverband der Versicherungswirtschaft (GDV) und der Auto Club Europa (ACE). Der GDV hält es für falsch, das Alter als Indikator für die Fahrtauglichkeit zu nehmen. Gert Schleichert, Leiter der Verkehrssicherheit des ACE, spricht von einem „offenen Affront gegen die wachsende Zahl vollkommen fahrtüchtiger Senioren“. Das Auto sei für viele enorm wichtig, um überhaupt am gesellschaftlichen Leben teilnehmen zu können. Die beiden Autoclubs setzen eher darauf, dass Autofahrer regelmäßig zum Gesundheitscheck gehen und ihre Sehfähigkeit kontrollieren lassen – und zwar unabhängig vom Alter.

Der Führerschein ist gemäß Richtlinie ab dem Jahre 2013 ohnehin nur noch 15 Jahre gültig und muss dann neu ausgestellt werden. Damit soll für aktuelle Fotos auf den Führerscheinen gesorgt werden, was Betrügereien erschwert. Geht es nach der EU soll der Schein nur dann wieder ausgehändigt werden, wenn die geistige und körperliche Tauglichkeit bescheinigt wird. Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee lässt sich von den Ideen aus Brüssel nicht beeindrucken: „Ich halte nichts davon, für ältere Autofahrer einen verbindlichen Gesundheitscheck einzuführen. Die meisten können ihr Leistungsvermögen selbst einschätzen.“

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