So, 28th September, 2008 - Posted by
Wenn ein Schnäppchen doch noch teuer wird…
Trau, schau wem…! - Einen günstigen Neuwagen im Internet entdeckt zu haben, heißt nicht auch, dass alles so ist, wie es sich darstellt. Ein entdecktes “Schnäppchen” kann sich als Luftnummer entpuppen. Das LKA Baden-Württemberg ermittelt in einem Fall mit mehr als 800 Geschädigten und warnt vor günstigen Angeboten bei höchsten Rabatten im Internet.
Zeitgleich schlugen 70 Polizeibeamte des Landeskriminalamtes und der Landespolizei zu und drei Staatsanwälte durchsuchten zwölf Wohnungen und Büroräume in Baden-Württemberg, Hessen und Österreich.
Schwerer gewerbsmäßiger Betrug lautet der Vorwurf der Ravensburger Staatsanwaltschaft, weshalb die Ermittler jetzt auch Berge von Akte durchforsten, Luxuswagen wie einen Audi Q7 beschlagnahmten und sich durch Daten auf Festplatten wühlen.
Mit Aktenzeichen 32 Js 24906/09 ermitteln sie gegen das Komplizen-Netz der EU-Car-Zentrale in Tettnang. Seit über einem Jahr warb die Firma im Internet für Neuwagen, Jahreswagen und Jungwagen aller gängigen Marken und Modelle mit Nachlässen von 30 Prozent auf den Listenpreis.
Doch die Schnäppchen sind gar keine, weil inzwischen 800 Geschädigte Anzahlungen leisteten, aber innerhalb der zugesagten Lieferfristen keine Fahrzeuge ausgeliefert bekamen.
Im Angebot hatte die EU-Car-Zentrale zwei Methoden den Kauf abzuwickeln: einmal Barkauf mit angeblicher Eigentumsübertragung auf den Kunden nach 12 oder 24 Monaten, zweitens ein Mietkauf mit bis zu 60 Monaten Laufzeit.
Als Lieferzeitpunkt galten marktübliche Fristen sobald eine 30-prozentige Anzahlung geleistet war oder wenn beim Mietkauf nach ebenfalls 30 Prozent auch die monatlichen Leasingrate schriftlich vereinbart war.
Den Haken kennt nun nicht nur der Staatsanwalt. Die Fahrzeug-Käufe durch die EU-Car-Zentrale bei Autohäusern ließen nicht zu, dass danach ein Kunde am überlassenen Fahrzeug Eigentum erhielt. Hier galt der rechtliche Unterschied zwischen Besitz und Eigentum, denn nur wenige ausgelieferte Fahrzeuge wurden mit den Geldern von Neukunden bezahlt.
Angeboten nicht blind vertrauen
Vorsicht also, meint nicht nur das LKA Baden-Württemberg, bei günstigen Angeboten im Internet. Fahrzeugangebote und -vermittlungen sollten stets intensiv und kritisch geprüft werden.
Extrem hohe Rabatte sind kaufmännisch unrealistisch, weshalb sich im Zweifel auch ein zusätzlicher Blick lohnt: Auf der Website www.polizei-beratung.de haben die Polizeibehörden Tipps zum “Sicherer Autokauf” zusammengefasst. Auch unter Website www.sicherer-autokauf.de finden sich weitere Informationen und Ratschläge.
Die Initiative “Sicherer Autokauf im Internet” wurde Anfang 2007 von den Internet-Fahrzeugmärkten AutoScout24 und mobile.de zusammen mit dem ADAC ins Leben gerufen.
Seit März 2008 werden die Portale von der Polizei unterstützt. Ziel der Initiative ist es, Nutzern von Online-Autobörsen bei Fragen zum Autokauf und Autoverkauf zu sensibilisieren, umfassend zu informieren und konkrete Hilfe anzubieten.
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