Die Benzinpreise haben es seit Woche in sich; das bindet Kaufkraft aus dem Portemonnaie. Wie aber ist der Rest einzusetzen, um ein neues Auto zu kaufen oder zu leasen? Hersteller setzen bei dieser Betrachtung immer stärker auf private Leasing-Modelle. Doch ist manches Schnäppchen nur vermeintlich ein solches und kann zur Falle werden.
Die PKW-Zulassungen sind 2007/2008 drastisch gesunken und die Talfahrt geht weiter. Grund für die Autobanken, immer erfinderischer zu werden, um den Autofahrern neue Modelle anzupreisen. Leasing steht hoch im Kurs und ist zu einem echten Umsatzbringer geworden. Die Versprechen der Autobanken sind glasklar: “Ein neues Auto? Können Sie haben! Und warum mehr zahlen als nötig? Leasing ist die bequeme Art, das Traumautos zu fahren. Und das mit allen Freiheiten”. Und mit der Werbung dann die verlockende Zahl: Ein Wahnsinns-Preis, um ein neues Auto zu fahren. Insgesamt konsumig-reizvoll, weil “man eher will statt man schon hat”. Und das, obwohl die meisten ahnen, dass es da eigentlich hakt. Wie aber reagiert das Gehirn der Verbraucher?
Neuropsychologen wissen, was bei den geköderten Kunden im Gehirn abläuft. Ihre These: Die niedrige Leasingrate ist eine geschickte Verführungsmethode. Das Gehirn nutzt ein eigenes System, das die Umwelt nach unerwarteten Belohnungen abscanned. Tritt dieses Schema auf, meldet das Gehirn: Kaufen! Ein weiterer Automatismus ist gegeben, wenn das Großhirn anfängt zu zweifeln, ob denn dieser günstige Preis wirklich sein kann. Doch sind in der Regel die menschlichen Impulse so stark, dass die Begierde die Zweifel überwiegt.
Einige Leasing-Grundsätze
Nun ist das Auto-Leasing oft aber gar nicht so günstig ist, wie es die Werbung glauben machen will. Gibt es doch die heftig beworbenen Niedrig-Rate meist nur bei einer Anzahlung. Das macht im Durchschnitt die Leasing-Rate wieder teurer als es die Werbung verspricht. Insgesamt gilt: Je niedriger die Anzahlung, umso höher die Rate; und: Je länger die Laufzeit, umso geringer die monatliche Belastung (in der Summe wird’s jedoch mit der Laufzeit über die Jahre teurer). Und drittens: Je niedriger die Kilometerbegrenzung, umso niedriger die Rate. Mehr-Kilometer sind mit zwei bis 15 Cent zusätzlich zu berechnen. Deshalb: Schon bei Vertragsabschluss das Fahrprofil einschätzen und eine “sichere” Kilometerbegrenzung wählen, die man wahrscheinlich nicht überschreiten wird. Ein paar Kilometer mehr im Vertrag als man tatsächlich fährt, sind günstiger als nachzuzahlen.
Das Auto gehört dem Leasinggeber
Über die gesamte Laufzeit gerechnet kommen – je nach Fahrzeugneupreis – mehrere tausend oder sogar zehntausende Euro zusammen, die der Leasingnehmer als Nutzungsentgelt zahlen muss. Der Haken: Eigentum am Fahrzeug hat der Kunden dann immer noch nicht. Denn der Leasinggeber – in der Regel eine Bank – ist nicht verpflichtet, das Auto am Ende der Laufzeit auch an den Leasingnehmer zu verkaufen. So steht der Kunde ohne Auto da, obwohl er für Anzahlung und Raten viel bezahlt hat.
Für den Anschlussvertrag, wenn der Kunde markentreu bleiben will, braucht er die nächste Anzahlung. Diese wird möglich durch die ersparte Liquidität gegenüber der Finanzierung und durch einen Bonus vom Händler, weil das bisherige Fahrzeug als gepflegter Gebrauchter an ihn zurückging.
Wer verdient beim Leasing?
Leasing mit einem Barkauf (bei entsprechenden Nachlass-Prozenten) zu vergleichen, ist eigentlich nicht statthaft, denn wer hat schon die “Kohle” in bar zur Hand? Also muss von der Bank durch das Leasing oder die Finanzierung etwas verdient werden. Um zu entscheiden, ob Leasing besser als die Kreditfinanzierung ist, muss für den Leasingnehmer unbedingt der kalkulierte Restwert bekannt sein. Den weisen die Händler aber nur ungern aus. Wem es als Kunde gelingt, dass der Restwert im Vertrag wenigstens benannt wird, der kann erkennen, um wie viel seine gesamten Zahlungen die Differenz zwischen Listenpreis (hier VK mit Steuer) und Restwert übersteigen. Nicht nur Sachverständige können den erwarteten Restwert eines Fahrzeuges berechnen, auch für Verkäufer und die Banken sind diese Werte berechenbar, wonach sie die Leasingrate berechnen.
“Drei-Wege-Finanzierung”
Ist dem Kunden bei Vertragsabschluss also auch der “Kaufpreis” des Autos zu Ende der Leasing-Laufzeit bekannt, kann der Leasingnehmer später entscheiden, ob er das lieb gewordene Auto zum garantierten Preis kaufen will. Doch nur wenige Autobanken bieten diese Leasing-Variante an. Da aber eigentlich das Autohaus die Leasing-Rücknahme verwertet, kann auch der Verkäufer die Kauf-Option aussprechen. Damit ähnelt das Leasing der Drei-Wege-Finanzierung aus Anzahlung, Raten und Schlussrate.
Was kann Leasing attraktiv machen?
Auch wenn Leasing nicht als “die” günstige Finanzierungsform gilt, gibt es Argumente für die Miet-Nutzung:
- Fahranfänger wissen, dass zum Leasing die Versicherung kommt und der Vollkaskoschutz. Autobanken bieten günstige Versicherungspakete zusammen mit dem Leasing an.
Besonderheit: Die Versicherung wird nicht teurer, wenn der Leasingnehmer nur einen Unfall im Jahr verursacht. - In manchen Leasingverträgen mit “Flatrate” sind Werkstattleistungen, Inspektion, oder Ersatzwagen oder auch die Reparaturen selbst enthalten.
- Angebote locken auch mit verlängerter Gewährleistung und geben diese Garantie dann bis zum Ende der Laufzeit. Insgesamt sinnvoll, aber auch teurer.
Fazit: Ist Leasing “die” Möglichkeit bei geringer Liquiditätsbelastung einen Neuwagen zu fahren, ist darauf achten, dass die Raten “verträglich” bleiben. Im Vergleich zur Kreditfinanzierung auf die selbe Laufzeit ist dies aber immer der Fall. Der Leasingnehmer spart Kaufkraft für andere Verwendungen. Das ist unumstritten.
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