Mo, 21st Juli, 2008 - Posted by
Der geneigte Radsportfan erinnert sich meistens mit Ungemach an jene Jahre, als Lance Armstrong die Tour de France unschlagbar dominierte. In den Jahren 1999 bis 2005 gewann er sieben Mal hintereinander die Große Schleife in Frankreich. Im darauffolgenden Jahr gewann Floyd Landis die Tour, dem später der Sieg aufgrund nachgewiesenen Dopings wieder aberkannt und Oscar Pereiro Sio zuerkannt wurde. Der Sieger des vergangenen Jahres, Alberto Contador, wurde immer wieder mit Dopingvorwürfen und Gerüchten überhäuft. Inzwischen fährt er beim Team Astana, das dieses Jahr bereits im Vorfeld komplett von der Tour ausgeschlossen wurde aufgrund der Dopingvorfälle des vergangenen Jahres.
Inzwischen schreiben wir das Jahr drei nach Lance Armstrong. Und langsam wird aufgeräumt. Drei Dopingsünder, Duenas Nevado, Manuel Beltran und Riccardo Ricco, wurden überführt, einer - Leonardo Piepoli - gestand gar ohne eine offizielle Überführung das Doping mit Cera, einem Epo-Mittel der neuen Generation. Das Aufräumen hat zur Folge, dass endlich wieder Spannung in die Tour kommt. Nicht gerne erinnert man sich an die Jahre zurück, in denen schon lange vor der Schlussetappe nach Paris Lance Armstrong als Sieger feststand. Dieser verweigert sich übrigens immer noch einem Dopinggeständnis, was ihm keiner verdenken kann. Ob er wirklich gedopt hat, wissen wohl nur wenige, und die halten schön den Mund. Wer ihn aber nach seinem Sturz damals noch an Jan Ullrich hat vorbei ziehen sehen, der mag sich nichts Gutes dabei denken. Und die Gedanken sind ja bekanntlich immer noch das, was frei ist.
Aber Lance Armstrong gehört längst der Vergangenheit an. In diesem Jahr sieht es ganz anders aus unter den sechs ersten Fahrern. Gleich drei Fahrer, Frank Schleck vom Team CSC, Bernhard Kohl von Gerolsteiner und der australische Fahrer Cadel Evans haben nicht einmal einen Abstand von zehn Sekunden aufeinander. Ihnen folgen drei weitere Fahrer, die nicht einmal eine Minute Abstand auf den Führenden, auf Frank Schleck haben. Denis Menchov, Christian Vande Velde und Carlos Sastre Candil sind theoretisch auch noch mit im Rennen. Interessant ist vor allem eines: Keiner von den sechs Fahrern hatte bisher mit Dopinggerüchten zu tun. Selbst Christian Vande Velde, der unter seinem Kapitän, Lance Armstrong, bei US Postal fuhr, konnte bis jetzt recht befreit fahren. Es hat also eine neue Zeitrechnung begonnen.
Noch sechs Etappen stehen auf der diesjährigen Tour an. Heute ist erst einmal Ruhetag angesagt. Ab morgen geht es dann richtig in den Endspurt. Vielleicht wird Bernhard Kohl dabei Radsportgeschichte schreiben als der erste Österreicher, der die Tour de France je gewann. Das Bergtrikot hat er nach der gestrigen Etappe schon übergestreift und mit diesem wird er auch morgen an den Start gehen. Und es wäre wieder ein deutsches Team, das den Toursieger stellen würde. Ein sauberes Team, das immer noch auf der Suche nach einem neuen Sponsor ist, nachdem Gerolsteiner sich zum Ende dieser Saison zurückzieht. (Wir haben darüber berichtet). Magenta ist längst Vergangenheit. Wie vieles andere. Denn alles wird eben anders, nun auch endlich – mit zeitlicher Verzögerung – die Tour.
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