Do, 17th Juli, 2008 - Posted by
Es war ein Befestigungsteil einer Leitplanke, das aufgrund einer Konstruktionsschwäche eine schwangere Frau kürzlich auf der A2 das Leben kostete. Bereits in den Jahren 1995 und 2003 hatte die BASt auf diese Schwäche in der Konstruktion am Ständerwerk von Mittelleitplanken hingewiesen. Im Jahr 2003 sogar in einem ausführlich gehaltenen Bericht. Umgesetzt wurden die Hinweise der Bundesanstalt für das Straßenwesen jedoch vom dafür zuständigen Verkehrsministerium nicht. Anscheinend gab es dort niemanden, der Interesse an den Berichten des BASt hatte. Und so wurden die fehlerhaften Pfosten weiter fleißig bei den Mittelleitplanken verbaut.
Der ADAC hat nun klar Stellung dazu bezogen und „fordert die für die Leitplanken an Autobahnen zuständigen Behörden auf, die gefährlichen Pfosten schnellstmöglich zu beseitigen. Das Argument, der problematische Pfostentyp werde dort eingesetzt, wo es möglich sein muss, Leitplanken schnell zu demontieren, um etwa bei Baumaßnahmen den Verkehr auf die Gegenfahrbahn zu leiten, darf angesichts der tödlichen Gefahr nicht gelten. Auch für diesen Bereich gibt es nach Meinung des ADAC andere Verankerungsarten, die bei Unfällen unproblematisch reagieren.“
Das Problem der beanstandeten Pfosten, die in der Erde verankert sind, ist, dass sie bei extremer Belastung reißen können. Dies führt dann zum Wegschleudern eines 70 cm langen und 15 kg schweren „Geschosses“. Bei dem Unfall, der kürzlich auf der A2 geschah, ist genau dies passiert. Das herausgerissene Teil schoss wie durch ein Katapult befördert durch die Luft und durchschlug die Windschutzscheibe des betroffenen Fahrzeugs. Die schwangere Beifahrerin verstarb, der Fahrer wurde verletzt. Nachdem das zuständige Verkehrsministerium nicht auf die Berichte der Bundesanstalt für das Straßenwesen reagiert hatte und diese einfach beiseite schob, könnte dies Folgen haben für die Behörde. Vielleicht beginnt nun auch die Staatsanwaltschaft, sich richtig für die Ursache und vor allem den oder die Schuldigen zu interessieren.
Es ist immer wieder erschreckend, wie sinnlos mit der Gesundheit und dem Leben gar von Menschen gespielt wird, nur weil keine Änderungen durchgesetzt werden. Gerade im Fall der konstruktionsschwachen Pfosten der Mittelleitplanke dann auch noch zwei Mal weg zu sehen und das über einen Zeitraum von nunmehr 13 Jahren, grenzt an Fahrlässigkeit. Inwieweit dabei von fahrlässiger Tötung von den in der Behörde Verantwortlichen ausgegangen werden kann, müssen andere entscheiden.
Übrigens war dies keine Sache der poltischen Entscheidungen, die einer Sichtung und Umsetzung der Berichte seitens der BASt im Wege stand. Im Jahre 1995 war Matthias Wissmann, der ja bekanntlich der CDU angehört, Bundesverkehrsminister. Im Jahre 2003 war Manfred Stolpe der Bundesminister für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen. Stolpe gehörte der Regierung unter Gerhard Schröder an, Wissmann der Regierung unter Helmut Kohl. Beide haben nichts getan. Wie der jetzige Bundesminister für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, Wolfgang Tiefensee, nun reagieren wird, bleibt wieder einmal abzuwarten. Der Name des Ministeriums hat sich immer wieder geändert, an der Arbeit scheinbar nichts. Es ist also nur eine Frage der Zeit, wann der nächste Tote zu beklagen sein wird.
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