Anstatt ein bisschen Geld in die Hand zu nehmen, und unsere Straßen den Erfordernissen des modernen Lebens anzupassen, überschlagen sich einige Experten mit absurden Vorschlägen. Das Überholverbot für Lastwagen ist einer davon.
Der ehemalige Oberbürgermeister von Leipzig und jetzige Verkehrsexperte Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee präsentiere kürzlich einen ernstgemeinten Vorschlag, um die Staubildung durch sich gegenseitig überholende Lastwagen zu reduzieren: Aus seiner Sicht macht ein Überholverbot für LKW auf einigen Autobahnen Sinn. Eine Einschätzung, die von echten Verkehrsexperten sogleich ausgebremst wurde.
Das Problem: Wenn LKW nicht mehr überholen dürfen, fahren sie Kolonne – auf der rechten Spur. Auf den ungefähr 2500 Kilometer langen Autobahnen mit hohem LKW-Aufkommen würde dies bedeuten, dass die rechte Spur permanent blockiert ist. Für PKW, die eine Autobahnausfahrt benutzen wollen, dürfte es dann besonders schwierig sein, die LKW-Mauer zu durchbrechen, da kolonnenfahrende Lasterfahrer dazu neigen würden, besonders dicht aufzufahren, um bloß niemanden reinzulassen. Wenn die Strecke mit Überholverbot vorbei wäre, würden die LKW-Fahrer versuchen, die verlorene Zeit wieder einzuholen und sich besonders viele Überholduelle liefern.
Denn wenn Lasterfahrer etwas nicht haben, dann ist es Zeit. Zeit ist Geld – und Geld ist knapp. Mittlerweile sind nämlich die steigenden Spritkosten auch bei den Speditionen angekommen und drücken die Gewinnspannen. Während große Speditionen durch spritsparende Fahrweisen, Neukauf von Fahrzeugen und Mengenrabatten beim Dieseleinkauf die Belastung senken könnten, sind kleine Transportunternehmen dem Preisdruck schutzlos ausgesetzt. Dazu kommt, dass Tiefensee auch noch eine zeitabhängige Maut einführen möchte. Je größer das Verkehrsaufkommen, umso teurer soll die Autobahnnutzung werden. Die Maut soll im Berufsverkehr besonders teuer werden. Der Spediteur kann dann selbst entscheiden, wann er seine Leute fahren lässt. Angesichts des immensen Kostendrucks, der auf den Speditionen lastet, dürfte die Entscheidung klar sein. Das Verkehrsaufkommen dürfte in den Abendstunden zunehmen. Wer also durch Nachtfahrten schneller in den Urlaub fahren wollte, muss sich auf wachsenden Konkurrenz einstellen.

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