Mo, 9th Juni, 2008 - Posted by
Statt der Doppelkarte gibt es seit dem 1. März die elektronische Versicherungsbestätigung, wenn ein Auto an- oder umgemeldet wird, was rund elf Millionen Mal im Jahr geschieht. Mit der Umstellung des Systems haben viele Versicherungsunternehmen eine Bonitätsprüfung eingeführt, um die Spreu vom Weizen trennen zu können. Wurde die Karte früher blanko ausgestellt, werfen die Konzerne nun einen Blick hinter die (finanziellen) Kulissen des Kunden, zumindest, wenn er dem Unternehmen bislang völlig fremd ist. Dieses Vorgehen begründet sich einerseits in der Angst vor Zahlungsausfällen, andererseits ist es eine Begleiterscheinung des seit Jahren immer stärker zunehmenden Wettbewerbsdrucks.
Zu den Unternehmen, die auf Nachfrage der Financial Times Deutschland bestätigten, dass sie eine Bonitätsprüfung durchführen, gehören neben der Gothaer die Signal Iduna und die Basler. Wer als Neukunde online die Deckungsbestätigung beantragt, kommt nicht daran vorbei, sich mit der Kontrolle seiner Zahlungsfähigkeit einverstanden zu erklären. Ein Angebot für die Kfz-Haftpflichtversicherung erhalte jeder, so eine Sprecherin der Gothaer Versicherung. Bei der Kaskoversicherung, die im Gegensatz zur Haftpflicht keine Pflichtversicherung ist, sieht das schon anders aus. Hier sind die Versicherungen durchaus befugt, Kunden abzulehnen, wenn die Bonität nicht stimmt.
Mit der Risikoauswahl wollen die Kfz-Versicherer sicherstellen, dass sie sich keine „schlechten Risiken“ ins Haus holen. Gleichzeitig dient sie dazu, die Kosten zu senken. In einer Mitteilung der Signal Iduna heißt es: „Unternehmen, die das Verfahren nicht nutzen, werden über kurz oder lang mit einem recht minderwertigen Bestand aufwarten können“. Das hört sich nicht sonderlich nett an, spiegelt aber die Erfahrung aus den zurückliegenden Jahren wider. Zahlungsunfähige (und auch zahlungsunwillige) Kunden gehören zu den größten Risiken in der Wirtschaft. Die Kunden müssten über die Prüfung jedoch aufgeklärt und das Verfahren den Datenschutzklauseln entsprechen, mahnt der Verband deutscher Versicherungsmakler.
Die Bonität wird von spezialisierten Unternehmen geprüft, die dazu auf Daten aus öffentlichen Verzeichnissen zurückgreifen. Ein Scoring-Verfahren, bei dem beispielsweise der Wohnort oder die Straße eine Rolle spielen, gebe es nicht. Die Ergebnisse würden später auch nicht im Hinweis- und Informationssystem der Versicherungswirtschaft gespeichert. Noch haben sich nicht alle Unternehmen für eine Bonitätsprüfung entschieden. Die Allianz nimmt diese Möglichkeit beispielsweise nicht wahr. Der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft weist darauf hin, dass die Erzeugung der elektronischen Versicherungsbestätigung und die Prüfung nichts miteinander zu tun hätten. „Wenn geprüft wird, ist das eine rein unternehmerische Entscheidung“, so der GDV. Der Bund der Versicherten sieht die Bonitätsprüfung mit gemischten Gefühlen. Auf Dauer bestehe die Gefahr, dass einige Personen überhaupt keine Versicherung mehr abschließen könnten.
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