Di, 27th Mai, 2008 - Posted by
Auf dem Bildschirm sieht es “nur” nach Reportage aus, doch die Spurensuche (Sat1) nach alten Menschen hinterm Steuer, nach späten Routiniers der Straße, nach behüteten und beherzten Sonntagsfahrern und nach der Seniorin, die sich mehrfach die Woche mit ‘Herbert’s Daimler’ sogar in die Fußgängerzone trauen, ist oft ein tragischer Kampf gegen das letzte “Alltags-Erlebnis”.
Wann lassen alte Deutsche von ihrem Auto los? Wann sind die Betagten bereit zur Trennung vom vorletzten Stück Freiheit und der mobilen Selbstbestimmung? Durch eigene Einsicht, durch den Einspruch von Kindern oder erst über die Zulassungsstelle und die Staatsanwaltschaft nach einem Unfall mit Personenschaden? Nicht nur im Film geht man der Frage nach, wo die vertrackte Grenze zwischen auto-mobiler Selbstbestimmung und Unfallrisiko zu ziehen ist.
Witwer E. war 92 Jahre alt, als der Unfall auf regennasser Straße geschah. Bis zum Ereignis war er 67 Jahre lang unfallfrei gefahren. Einsicht nach dem Crash: E. gab den Führerschein ab. In manchen Landkreisen erhält man dafür sogar eine Jahreskarte für den regionalen ÖPNV; gratis!
Nach solch einer Entscheidung denkt so mancher Senior wieder ans Verreisen, so wie früher mit dem Auto. Sein Wusch: “Ich will meinen Führerschein zurück!” Doch damit beginnt ein Hürdenlauf durch die Behörden. Ist der eigentliche vitale Kraftfahrer mit über 80 überhaupt noch fahrtüchtig?
Wer als Rentner mit 74 Jahren noch zu den jüngeren Fahrsenioren zählt, hat dagegen Probleme mit der Sehkraft. Doch so ganz freiwillig will er sich nicht einem offiziellen Fahrtüchtigkeits-Check unterziehen. Denn dann ist der “Lappen” wohl weg, so die Befürchtung.
Künftig werden der demographischen Tatsache wegen immer mehr alte Menschen hinterm Steuer sitzen. Wer aber überwacht die Fahrtüchtigkeit älterer Menschen? Ein Fahrtraining für Senioren, wie es der ADAC anbietet, hat sich bewährt. Werden doch die Resultate nicht an die Behörde weitergeleitet. Während die Fahrerlaubnis in anderen Ländern regelmäßig neu beantragt werden muss, besteht für Deutschlands Alte freie Fahrt: ohne Limit.
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Allein in meiner Nachbarschaft fahren Witwe B. und Witwe M. jeweils die Daimler, die Ihnen als Erbe des Guten - Gott hab’ ihn selig - zugefallen sind.
Wenn die beiden vitalen oder auch weniger vitalen Damen für ihre Fahrten in die Stadt oder grad mal drumherum ein Taxi nähmen, dann würden sie womöglich noch Geld sparen und ihr Mobilitäts-Risiko und das der anderen Verkehrsteilnehmer gar minimieren…
Denn wie schnell kommt es zum Crash, vielleicht auf dem eng gewordenen Parkplatz gar zu Fahrerinnen-Flucht…
Also, weg mit der Pappe und das Taxi bestellt, und das wohl spätestens mit 77 oder 80…oder …
Gespart sind Nerven, Schäden, Prämien und Sprit und eventuell gar die Gesundheit. Und die Garage, die könnt’ mer ja vermieten…Muss ja nicht an mich sein!