Mo, 26th Mai, 2008 - Posted by
Fast die Hälfte aller Testfahrt-Anfragen, die über das Internet oder Hotlines bei den Autoherstellern eingehen, werden ignoriert. Vielleicht der Grund, warum die Autonachfrage schwach bleibt und die Markenbindung sinkt?
Wenn Sie auch zu denen Autofahrern gehören, die sich per Internet oder Hotline an einen Autohersteller gewandt haben, um eine Probefahrt zu machen, und dabei schlichtweg ignoriert wurden - befinden Sie sich in guter bzw. frustrierter Gesellschaft: Ungefährt 50% aller Testfahrt-Anfragen wurden bei einer repräsentativen Umfrage schlichtweg ignoriert.
Das Auto Beratungsunternehmen “International Car Concept” hat 400 Testfahrt-Anfragen mit Kaufwunsch an Automarken gestellt und erschütternde Ergebnisse vorgelegt. Die Berater erhielten entweder keine Antwort oder den Hinweis, dass die angerufene Hotline keine Probefahrten vermitteln kann - und das obwohl ausdrücklich zu Probefahrten aufgerufen, bzw. eingeladen wurde.
Während also die automobile Kauflust der Deutschen weiterhin gering bleibt, wie eine aktuelle Studie des ADAC ermittelte, die Bedeutung der Marke für den Autokauf immer unwichtiger wird und die Autoindustrie ungefährt zwei Milliarden Euro in verkaufsfördernde Werbung steckt - werden Menschen, die auf eine Probefahrt-Werbung aktiv reagieren, einfach ignoriert.
Und dabei ist eine Probefahrt eines der wichtigsten Elemente beim Neuwagenkauf: Nur wer schonmal in einem Auto gesessen hat und es gefahren hat, wird es möglicherweise auch kaufen. Viel Zeit und Geld wird auch von Agenturen investiert, um sich neue Möglichkeiten auszudenken, Menschen dazu zu bringen, Termine für eine Testfahrt zu vereinbaren. Man denke nur an die Nissan-Aktion vor mehreren Jahren. Unter dem Motto “Testfahrt ins All” nahmen alle Autofahrer, die eine Testfahrt mit einem Nissan machten, an einem Gewinnspiel teil, bei dem man einen Schwerelosigkeitsflug in der Stratosphäre gewinnen konnte. Man stelle sich vor, eine solche aufsehenserregende Aktion wird beworben, aber die Testfahrtinteressenten werden ignoriert.
Gründe für dieses Debakel gibt es mehrere: Probefahrten kosten Geld. Pro Fahrt müssen bis zu 600 Euro angesetzt werden - z.B. für Kraftstoff, Versicherung und Endreinigung. Wenn diese Kosten vom Handel zu tragen sind, die sowieso schon kaum am Neuwagengeschäft verdienen (Umsatzrendite 0,3%), wird das Autohaus sich nicht gerade überschlagen, um möglichst viele Probefahrt-Interessenten ins Haus zu bekommen. Aber da es hierzu keine Alternative gibt, müssten die Testfahrt-Kosten vielleicht besser verteilt werden.
Am Besten schnitt übrigens Toyota in dem Test ab - hier wurden 90% der Anfragen in vereinbarten Probefahrt-Terminen umgewandelt. Mercedes kam immerhin auf 77,5 Prozent und Skoda auf 67,5%. Volkswagen und Audi landeten mit jeweils nur 35% auf den letzten beiden Plätzen. Entweder, diese beiden Firmen haben die Zeichen der Zeit noch immer nicht erkannt oder sie haben es tatsächlich nicht nötig, sich um Bestands- und Neukunden zu bemühen, weil deren Fokus mittlerweile schon längst überall auf der Welt - aber immer weniger in Deutschland liegt - VW braust ja von einer Erfolgsmeldung zur nächsten.
Angesichts stagnierender Nachfrage auf der Kundenseite und ungefähr 200 angekündigten Fahrzeugpremieren im laufenden Jahr, sollten sich die Hersteller schleunigst etwas einfallen lassen, um die immer wählerischen Autofahrer in ihre Autos zu bekommen. Eigentlich ganz einfach - man könnte ja einfach mal die eingehenden Probefahrtwünsche erfüllen.
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