Do, 22nd Mai, 2008 - Posted by
Tod durch Überarbeitung, gibt es das? Viele von uns haben zumindest schon einmal etwas vom so genannten Burnout-Syndrom gehört. Wird dieses nicht erkannt und gar weiter gearbeitet, ohne die Notbremse zu ziehen, kann es zum Tod kommen aufgrund von Folgeerkrankungen wie totale Erschöpfung, Herz- und Kreislaufprobleme oder gar zu einem Suizid aufgrund von seelischer Überbelastung.
Toyota will nun seine Arbeitsbedingungen verbessern, damit es nicht mehr zu einem Tod durch Überarbeitung kommt. Leider ist der japanische Autohersteller nicht selbst auf den Trichter gekommen, sondern erst durch ein Gerichtsurteil, das Ende letzten Jahres gefällt wurde. In diesem wurde klar dargestellt, dass Toyota einen seinen Arbeiter nicht nur bis zum Umfallen, sondern direkt bis zum Tode habe arbeiten lassen. Die absolute Überarbeitung war der Fall bei dem Fabrikarbeiter, der im letzten Monat vor seinem Tod 106 Überstunden gemacht hatte, und das zum größten Teil unbezahlt. Der Autohersteller aus Japan will nun in Zukunft zumindest die Überstunden bezahlen, ob er sie abschaffen wird, das wird nicht so ganz klar im Moment. Auf jeden Fall soll er zu mehr Bezahlung von Überstunden kommen, im Moment werden jedem Mitarbeiter von Toyota lediglich zwei Überstunden pro Monat bezahlt. Darin nicht eingerechnet ist die Zeit, die jeder Mitarbeiter von seiner Freizeit aufbringt, um die verlangten Weiterbildungen zu besuchen.
Man kann es fast einen Teufelskreis nennen, in den die Mitarbeiter hier gesteckt werden. Während bei deutschen Autobauern oft darauf geachtet wird, dass die Mitarbeiter auch innerhalb ihrer Arbeitszeit Entlastung finden können, sind die japanischen Autohersteller wohl noch weit davon entfernt, den Mitarbeiter als ihr wichtigstes Kapital zu erkennen. Hier findet ein reines Funktionieren statt, was einen fast abschreckt, ein japanisches Auto in Zukunft überhaupt in Erwägung zu ziehen. Doch in Japan gelten eben andere Arbeitsgesetze als bei uns und wie ungut sich dies auf eine ganze Gesellschaft und die Selbstmordraten auswirkt, kann man dort nur zu gut sehen.
Vielleicht wird Toyota eines Tages erkennen, dass das Unternehmen nicht der Herr über die Menschen ist. Aber solange diese Erkenntnis nicht kommt, sollte man sich selbst hinterfragen, wie viel einem die Produkte aus einem solchen Land eigentlich wert sind. Da wird der technische Fortschritt auf Kosten der Mitarbeiter durchgeführt und auch auf dem Rücken dieser ausgetragen. Schade finde ich persönlich, dass Toyota nicht selbst auf den Trichter gekommen ist, sondern dass erst ein Gericht, mehr als fünf Jahre nach dem Tod des unbekannten Fabrikarbeiters, Recht für diesen und für die Arbeiter des japanischen Autoherstellers sprechen muss. Dies sind Dinge, die wir Westeuropäer vielleicht nie verstehen werden, weil wir sie mehr und mehr überwunden haben seit der Zeit der Industrialisierung. Japan scheint noch weit weg davon zu sein, wie Toyota und auch andere große japanische Unternehmen es immer wieder zeigen. Schade.
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