KFZ-Blog :- Automobiles ungebremst

Von Autos und anderen Mobilen

Fahrspaß soll nicht mehr beworben werden dürfen

Abgelegt unter: Verkehr — Andre at 1:08 pm on Mittwoch, Mai 14, 2008

EU-Umweltkommissar Stavros Dimas schießt sich immer weiter auf die Autoindustrie ein und läuft langsam Gefahr, sich lächerlich zu machen. Dass Fahrzeuge mit miserablen Abgaswerten der Vergangenheit angehören müssen und der Kohlendioxidausstoß sich in passablen und technisch machbaren Grenzen bewegen sollte, dagegen ist nichts einzuwenden. Den Herstellern aber vorschreiben zu wollen, wie sie ihre Produkte bewerben dürfen, geht doch gleich mehrere Schritte zu weit. Ende Mai soll die entsprechende Idee präsentiert werden. Sie schnürt Industrie und Werbeagenturen in ein derart enges Korsett, dass witzige, spannende oder ansprechende TV-Spots und Anzeigenkampagnen Seltenheitswert bekommen.

Geht es nach der EU-Kommission darf nicht mehr mit Sportlichkeit oder Fahrspaß geworben werden. Das könnte ja davon ablenken, dass der Wagen zu viel Sprit schluckt und die von den Brüsseler Bürokraten ausgelosten CO2-Werte nicht einhalten kann. Auch die Eleganz ist ein Faktor, der aus Sicht von Stavros Dimas nichts in der Werbung verloren hat. Dafür soll nun in jedem Spot und jeder Anzeige in einer genau definierten Größe der Abgaswert gezeigt werden. EU-Industriekommissar Günter Verheugen sagt zwar „pfui“ und verlangt: „Hände weg von der Werbung“. Unternommen hat er nur wenig gegen den „Amtsschimmel“ und muss sich dafür nun die Kritik der deutschen Kollegen im Europa-Parlament gefallen lassen. Sie sehen vor allem den wirtschaftlichen Schaden, der eintreten könnte, wenn die Hersteller ihr 1,5 Milliarden Euro schweres Werbebudget alleine für die Zeitungen beschneiden.

Dieser Streit keimt gerade erst auf. Lichterloh brennt es bereits, wenn der ab 2012 geltende CO2-Wert von 120 Gramm je Kilometer mal wieder angesprochen wird. Stavros Dimas erklärt dazu nur, er sei kein Gegner der deutschen Autoindustrie. Das sehen die EU-Parlamentarier aus der Bundesrepublik ganz anders. Sie werfen dem Ressortchef Umwelt vor, die französischen und italienischen Kleinwagenhersteller zu bevorzugen. Ein Italiener ist Berichterstatter in Sachen CO2 und der französische Präsident verkündet, während seiner Amtszeit als EU-Ratspräsident werde die Richtlinie abgeschlossen. In Deutschland resigniert man. „Es scheint mir unmöglich, in absehbarer Zeit eine Familienvan zu produzieren, der den Grenzwerten entspricht“, so Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee. Derweil wird ein Rechtsgutachten erstellt, ob die angedrohten Strafen überhaupt rechtens sind. Mal abwarten, wann das nächste Kännchen Öl in die Flammen gegossen wird, um den Autobauern Feuer unterm Hintern zu machen.

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