Überwachung von Autobahnbrücken gefordert
Kaum ein Thema hat in den vergangen Tagen so sehr die Gemüter erregt wie der feige Mord an einer jungen Frau. Der oder die Täter hatten einen sechs Kilogramm schweren Holzklotz von einer Autobahnbrücke an der A29 geworfen. Er durchschlug die Windschutzscheibe und tötete die Frau vor den Augen ihrer Familie mit einer Wucht von zwei Tonnen. Bisher gibt es keine konkrete Spur, dafür hat der Holzklotz einige Holzköpfe auf den Plan gerufen. Inzwischen häufen sich die Nachrichten, dass Nachahmungstäter ebenfalls Gegenstände von Brücken werfen.
Auf der A2 traf ein Stein ein Fahrzeug. Der Fahrer blieb unverletzt und konnte sein Auto auf dem Standstreifen abstellen. In Kempten haben Kinder einen Lehmklumpen auf ein Auto geworfen, ohne sich Gedanken um die Folgen zu machen. In Viersen flog ein Getränkekarton und in Süchteln ein hartgekochtes Ei, dass die Scheibe eines LKW einreißen ließ. Dass diese Dummheiten keine schlimmeren Folgen hatten, ist wohl reines Glück. Eine Tötungsabsicht stecke nicht hinter solchem Handeln, sagt zumindest der Psychologe Georg Sieber. Fragt sich nur, welche Absicht man hat, wenn man einen sechs Kilogramm schweren Klotz nimmt und ihn von oben auf ein Auto fallen lässt. Spaß? Der Kriminalpsychologe Rudolf Egg spricht von Mutproben, die sich zum russischen Roulette entwickeln. Hier spiele der Druck der Gruppe eine Rolle und nehme die Distanz zur Fahrbahn die Hemmungen. Das erklärt leider auch nicht, wie man überhaupt auf solche Ideen kommt.
Neu ist die Problematik nicht. Schon im Jahr 2000 flog ein 40 Kilostein von einer Brücke und warfen Schüler aus Langeweile mit Steinen. Für NRW-Innenminister Ingo Wolf von der CDU ist es jetzt an der Zeit, dass die Brücken stärker kontrolliert werden. Gleichzeitig fordert er höhere Strafen und eine Verurteilung aufgrund von versuchter Tötung oder Mord. Dass für die Überwachung Kameras installiert werden, hält er im Gegensatz zum Vorsitzenden des Innenausschusses des Bundestages, Sebastian Edathy von der SPD, allerdings für nicht angebracht.
Für die 36jährige Frau aus Telgte kommen diese Diskussionen zu spät. Auch der Vorschlag, Windschutzscheiben mit Spezialbeschichtungen zu versehen, bringt ihrer Familie im Moment nichts. Bleibt zu hoffen, dass die Sonderkommission den oder die Täter findet. Hinweise, die noch ausgewertet werden müssen, gibt es reichlich. Unverständlich ist in dem Zusammenhang, dass es an dem Tag einen Hinweis im Verkehrsfunk gab, dass Gegenstände auf die Fahrbahn geworfen werden, die Polizei dem aber nicht rechtzeitig nachgegangen ist.

