Deutliche Kritik an Deutschlands Kfz-Industrie
Einst selbst als Chefvolkswirt für BMW in der Branche aktiv, findet Helmut Becker heute keine besonders lobenden Worte mehr für die deutsche Auto-Industrie. Der Leiter des Institutes für Wirtschaftsanalyse und Kommunikation wirft den Konzernen vor, sich immer noch im Dornröschenschlaf zu befinden und aktuelle globale Trends zu verpassen. Als „strategisch falsch aufgestellt“ bezeichnet er Vorgehen und Modellpaletten.
Die meisten deutschen Autohersteller setzten auf das Premiumgeschäft, das ohnehin schon zu 80 Prozent in deutscher Hand sei. Beim Automarkt für den Otto Normalverbraucher hingegen überlasse man das Feld kampflos den Herstellern aus Fernost. Das, was man einst als Volkswagen bezeichnete, gebe es nicht mehr, zumindest nicht von den Firmen aus der Bundesrepublik. Hier gehe es nur noch um den Hochgeschwindigkeitsmarkt, und der sei denkbar begrenzt. Denn abgesehen von Deutschland hätten nur noch Bhutan, Nepal, Uganda und Tibet keine Geschwindigkeitsbegrenzung.
Die Kritik von Helmut Becker sticht in punkto Umweltfreundlichkeit zudem in eine derzeit schon länger klaffende Wunde. Der Hybridmarkt sei falsch eingeschätzt worden. Stattdessen habe man vornehmlich auf Diesel gesetzt. Die Folgen dieser Entwicklung, nicht den Verbrauch zu minimieren, sondern die Leistung zu maximieren, werde man spätestens spüren, wenn der Ölpreis noch weiter steigt. Dann sei die Hälfte der Fahrzeuge aus Deutschland unverkäuflich und viele Arbeitsplätze gingen verloren.

