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Das US Insurance System

Da das Verkehrsrecht in den USA kein Bundesrecht ist, sondern in den Händen der einzelnen Bundesstaaten liegt, unterscheiden sich die Staaten zum Teil nicht nur hinsichtlich der Führerscheinvergabe, sondern auch in Bezug auf die Kfz-Versicherung. Viele der Bundesstaaten sehen eine Kfz-Haftpflichtversicherung ganz ähnlich wie die in Deutschland vor. In einigen dieser Staaten kann es vorkommen, dass Fahrzeughalter eine jährliche Strafgebühr in Höhe von mehreren Hundert Dollar entrichten müssen, falls sie nicht versichert sind.

Die großen Versicherer Allstate, Progressive, Geico und State Farm bieten dem deutschen System ähnliche Tarife an. Sie unterscheiden meist zwischen standard cover und extra risks cover, also dem Standardschutz und einer Versicherung mit besonderer Risikoabdeckung. Je nach Tarif werden häufig auch Rechtsschutz, Mitfahrerversicherungen usw. angeboten. Außerdem unterscheiden US-Versicherer noch zwischen Personen- und Sachschäden bzw. kann der Versicherungsnehmer entsprechend wählen, was er in welcher Höhe abdecken möchte. Man ist also nicht verpflichtet, erst die Schäden Dritter und dann die eigenen zu versichern.

Die generell veranschlagte Deckungssumme entspricht in keiner Weise dem aus Deutschland gewohnten Standard. Gerade in Anbetracht der hohen Entschädigungsforderungen bei Sach- und Personenschäden in den USA versteht man wahrscheinlich besser, dass bei umfassendem Schutz die Prämien entsprechend hoch sind. Immer wieder im Gespräch sind für ein Jahr gültige Kfz-Plaketten, die die Versicherungen ausgeben sollen, um versicherte Verkehrsteilnehmer zu identifizieren.

Compulsory / Mandatory State Insurance

Beschäftigt man sich mit dem US-amerikanischen System der Kfz-Versicherung, trifft man immer wieder auf die Bezeichnungen Compulsory oder Mandatory State Insurance, also „verpflichtende“ oder „obligatorische“ staatliche Versicherung. Diese Bezeichnung ist bereits ein Hinweis darauf, wie es sich hier mit der Kfz-Versicherung verhält: In den meisten Bundesstaaten ist zumindest eine grundlegende Kfz-Versicherung verpflichtend, die in ihren Grundzügen der Deutschen ähnelt. Diese Pflichtversicherung (third-party risk insurance) deckt wie die deutsche Kfz-Haftpflichtversicherung Schäden gegenüber Dritten bis zu einer Höhe von 50.000 Dollar ab. Das ist insofern bemerkenswert als dass die Kosten für Unfälle mit Personenschäden, bei denen ein Mensch ums Leben kommt oder bei denen ein Unfallbeteiligter unter gesundheitlichen Folgeschäden des Unfalls leidet, leicht sogar die Millionengrenze sprengen können – nicht umsonst schreibt das deutsche Pflichtversicherungsgesetz eine Mindestdeckung von 7,5 Millionen Euro vor. In der Konsequenz bedeutet das also: In den USA, wo eine gute ärztliche Versorgung teurer ist, muss alles, was nicht durch die 50.000 Dollar gedeckt werden kann, aus eigener Tasche gezahlt werden, was natürlich kein Unfallverursachern gern und auch nicht immer freiwillig macht. So erklären sich auch die vielen Klagen auf Körperverletzung, bei denen immer wieder hohe Entschädigungssummen festgesetzt werden.

Kann man als Fahrzeughalter keine Versicherung aufweisen, droht ein Bußgeld in Höhe von 500 Dollar und mehr, bei nochmaligem Vergehen gar das Doppelte und Führerscheinentzug bzw. im Extremfall gar Gefängnisstrafen. Trotzdem weist die Statistik gut 15% nicht versicherter Fahrer auf. Anders als in Deutschland müssen beim Kauf und der Zulassung eines Pkws nämlich nicht unbedingt Versicherungsnachweise vorgelegt werden. Dies führt dazu, dass diejenigen, welche sich die hohen Prämien nicht leisten können, ohne Versicherungsschutz fahren.

In den beiden Bundesstaaten New Hampshire and Wisconsin existiert keine Versicherungspflicht. Aufgrund dieser Bundesstaaten aber auch aufgrund der vielen nicht versicherten Fahrer in den anderen Bundesstaaten ist schon länger eine Datenbank im Gespräch, die alle versicherten und nicht versicherten Fahrer zentral erfasst. Andere Überlegungen gehen in Richtung Unfallopfer-Hilfsfonds (unsatisfied judgment fund), der Hilfe bei Personenschäden leisten soll, wenn der Unfallverursacher nicht oder unzureichend versichert war.

No Claims Bonus und andere Rabatte

Der No-Claims-Bonus ist in etwa vergleichbar mit dem deutschen System der Schadensfreiheitsklasse. Auch hier gilt, dass der Versicherungsnehmer dafür belohnt wird, dass er ohne (selbst verschuldeten) Unfall durch den Verkehr kommt. Schneller als im deutschen System kann dieser Rabatt allerdings wieder wegfallen, wenn beispielsweise kleinere Schäden über die Versicherung reguliert werden sollen. Wer dem vorbeugen möchte, zahlt höhere Prämien, um sowohl kleine Schäden von der Versicherung zahlen zu lassen als auch den Bonus zu erhalten. Diese Regelung ist in etwa vergleichbar mit dem deutschen Rabattretter.

Meist ist der Bonus personalisiert, d.h. nur auf den Versicherungsnehmer ausgeschrieben.
Andere Rabatte sehen vor, dass erfahrene Autofahrer ebenso mit Prämiennachlässen belohnt werden wie auch der Einbau von Alarmanlagen. Ein Rabatt lockt auch dann, wenn regelmäßige Fahrtrainings nachgewiesen werden können, beispielsweise ein Fahrsicherheitstraining oder ein Training zum defensiven Fahren. Auch werden Abschläge gewährt, wenn beispielsweise die Eltern von jungen Erwachsenen bis 25 Jahre Mitglied derselben Versicherung sind. Ebenso können Reparaturen bei Vertragswerkstätten zumindest dazu führen, dass ein eventueller Verlust von Rabattpunkten milder ausfällt.

Driving record

Der driving record ist in den USA etwa das, was in Deutschland das Verkehrszentralregister in Flensburg ist. Gespeichert wird er in der jeweiligen Melde- bzw. Führerscheinstelle. Je nach Verstoß werden Punkte vergeben, die das persönliche Register belasten. Der Unterschied zu Deutschland: Je höher die Punkteanzahl im driving record, desto höher die Kfz-Versicherungsprämie. Da die Kfz-Versicherungen das persönliche Register problemlos anfordern kann, fließen alle hier verzeichneten Verstöße in die Prämiengestaltung ein.

Insurance Service Office

Das Insurance Services Office (ISO) gibt Informationen für die Sach- und Haftpflichtversicherer in den USA heraus und bewertet verschiedene Fahrzeugtypen mit Punktzahlen zwischen 3 und 27. Unter anderem auch auf Grundlage deren Statistiken und Punktvergabe bezüglich Diebstahl, Preise für Ersatzteile etc. werden dem deutschen ähnliche Typklassen erstellt. Diese Klassifizierung nutzen viele Versicherer als Grundlage zur Berechnung ihrer Prämien, sie sind allerdings nicht zwingend dazu verpflichtet.